Kirche(nbesucher) mit Visionen

 

Uns ist es wichtig, die Umbruchsituation in den Kirchen zu verstehen als Teil eines großen gesellschaftlichen Umbruchs. Wir stehen als Kirchen nicht allein vor gewaltigen Herausforderungen. Mit solchen konfrontiert sehen sich heute fast alle Sektoren der Gesellschaft: Wirtschaft, Schule, Staat, bis hin zu Vereinen, Berufsleben, Familie und privaten Beziehungen. Unsere Welt, im Großen wie im Kleinen, hat sich radikal verändert und ist weiter in schneller und radikaler Veränderung begriffen. Als Kirche geht es heute darum, nicht in depressives, sich selbst verteidigendes Jammern zu verfallen, sondern aktiv und beherzt unsere kirchliche Zukunft zu gestalten.

 

Paul Zulehner, Professor für Pastoralsoziologie in Wien. hat dies im Zusammenhang mit der Ausarbeitung des neuen Pastoralplans für die Diözese Passau folgendermaßen auf den Punkt gebracht:

 

... Für die Kirche heißt das: wie bisher Seelsorge und kirchliches Leben zu gestalten, geht nicht mehr so einfach. Viele haben auch das Gefühl, sie arbeiten rund um die Uhr, und doch können sie besten falls nur den Verfall verlangsamen.

Das ist nun die Alternative für die Kirche bei uns in Westeuropa: Entweder verwalten wir den Untergang, oder wir gestalten einen Übergang. Die Untergangsverwalter werden missmutig sein, sie neigen zur inneren Kündigung und verlangen manchmal aus dem Abstand von anderen Reformen.

 

Die Übergangsgestalter hingegen stellen einfache Fragen:

Wo wollen wir hin, genauer, wo will Gott mit uns hin? Was tun wir, um mit Gottes Hilfe dorthin zu zulangen? Welche Ressourcen haben wir? Welche brauchen wir? Was hindert uns auf dem Weg? Vor allem aber: Welches sind die nächsten Schritte, die auf dem Weg des Übergangs zu machen sind?

 

Wir möchten ein paar einfache, vielleicht aber auch etwas provokative Gesprächsanstöße geben auf dem Weg einer gemeinsamen, zuversichtlichen und mutigen Gestattung unserer kirchlichen Zukunft.

Erste Feststellung also: Wir leben in der Zeit eines großen gesellschaftlichen Umbruchs. Darum lebt auch unsere Pfarrei St. Clemens als Teil dieser Gesellschaft, in der Zeit eines großen Umbruchs. Das ist schlicht ein Faktum.

Zweite Feststellung: Wir können uns entscheiden zwischen zwei Rollen:

Entweder depressive, leidende Untergangsverwalter oder zuversichtliche, aktive und mutige Ubergangsgestalter. Ich meine: jedes von uns musste sich bewusst und aktiv entscheiden, was es sein will und dann konsequent danach handeln.

 

 


Warum ich bleibe

 

Was mich dennoch hält

in dieser etablierten Kirche,

in dieser die Sache Christi

doch recht zweifelhaft vertretenden

und mit der jeweiligen Herrschaftsstruktur

verbündeten Institution,

in der die befreiende Botschaft

immer wieder ins Stocken gerät,

Machtstrukturen für eine scheinbare

 Selbsterhaltung gebraucht werden,

theologisch und gottgewollt begründet,

von wegen dem heiligen Geist.

Was mich dennoch bleiben läßt,

und warum ich nicht besser

mein Engagement, mein Fragen und Suchen in ihr,

das Mitleiden, Mitleben und Mitfeiern an den symbolischen

 Nagel hängen und mich befreien sollte von diesem alten Hut

eines fossilen Christentums -

all das werde ich immer wieder gefragt, teils ironisierend.

Und dann kommt meine Antwort,

keineswegs ideal idealistisch begeistert,

eher zögernd und nüchtern,

während ich darlege,

dass ich die Sache Christi

nicht aufgeben will und kann,

dass ich eben noch nicht alle

 Hoffnung fahren gelassen habe,

dass diese Kirche auch die Kirche Christi sei

 oder wieder werden könne.

Fortfahrend erkläre ich,

dass eben diese Kirche

mir Lebensraum bietet

und Möglichkeiten,

schöpferisch zu sein,

dass mir hier so etwas

wie Heimat geschenkt wurde,

dass ich mich trotz allem

hier irgendwie wohlfülhle,

Menschen finde,

die mit mir denselben Weg gehen und so...

 

Und dann müsste ich noch sagen, dass es

 mir schwerfallen würde,

außerhalb dieser Kirche

für die Sache Christi

so zu arbeiten wie hier,

und dass ich,

diese Kirche verlassend,

auf jegliche Möglichkeit verzichte,

an einer besseren Kirche mit zubauen.

Und letztlich müsste ich sagen -

Wenn's auch etwas leiser käme -,

dass ich diese Kirche.

wie eben eine Heimat,

die mich leben und froh sein lässt,

dass ich diese Kirche liebe...

 

(Peter Paul Kaspar)

 


Visionen der Gottesdienstbesucher

 

1

Standpunkte:

-          Ist der Christengott allmächtig?!?

-          Blick in die Gegenwart nicht in die Zukunft! Aber Vergangenheit reflektieren

Vision:

-          Gemeinde nach dem Vorbild der Ü30 Kirche schaffen

-          freier – offener – flexibler – wahrer

2

Frauen für das Priesteramt zulassen

 

3

Ich wünsche mir ein Zusammenwachsen von evangelischer und katholischer Kirche

 

4

Ich sehe eine Kirche, in der PriesterInnen ohne nach Geschlecht und sexueller Neigung unterschieden zu werden, ihren Dienst tun können

 

Ich sehe eine Kirche, die ökumenisch denkt und handelt

Ich sehe eine Kirche, die offen ist für Ideen, die aus den Gemeinden kommen, und diese kreativ umsetzt

5

Eine Kirche, in der jeder seinen Platz findet, sich wohl fühlt und Hoffnung gibt

 

6

Ich habe die Vision von einer Kirche mit lebendigen Gemeinden, getragen von ihrem Glauben und den Werten der Bibel und ohne Einmischung visionsarmer, überalterter Funktionäre

 

7

Eine Kirche, die für die Menschen mit ihren Sehnsüchten, Fähigkeiten und Hoffnungen da ist

persönlich

da ist, nahe ist …

 

8

Ich bete für mehr Toleranz in unserer Kirche

 

9

Ich würde mich freuen, wenn Christen sich endlich in der kirchlichen Arbeit wie Christen begegnen würden – ehrlich, offen für Jeden – ohne Neid und Missgunst – ohne Kompetenzgerangel, so dass es Spaß macht, sich (mit neuen Ideen) ehrenamtlich zu engagieren…

 

10

Ich wünsche mir:

-          eine lebensnahe, keine lebensferne Kirche

-          mehr Dialog in einer streng hierarchisch und zentralisierten Kirchenstruktur

-          eine ernsthafte Arbeit bei der Ökumene

 

11

Übergangsgestalter

möge der Geist Jesu bei allen Wandlungen die treibende Kraft sein

 

12

Priester mit eigenen Familien und Kindern

 

13

-          eine offene Kirche, auch für die „Anderen“

-          eine Kirche, die Brücken schlägt, z.B. in der Ökumene

-          eine mobile Kirche, die sich auf die Jugend hin zu bewegt

-          eine moderne Kirche, die die Jugend abholt als unsere Nachfolger

-          Priester als Initiatoren

 

14

Ich wünsche mehr Offenheit

 

15

weniger Konsum

mehr Menschlichkeit

 

16

Ich finde es sehr schade, dass unsere Kirche zerfällt.

Ich glaube seit Kindesbeinen an etwas, wo ich oft sehr viel Halt gefunden habe.

Meinen Glauben kann ich nicht ablegen wie einen Mantel.

 

17

Kirche lebendiger gestalten durch Lieder, Texte und Gebete.

Zölibat abschaffen

Ökumene voran treiben

offener mit Verhütung umgehen

offener mit Sexualität vor der Ehe umgehen

 

 

 

18

Ich träume von einer Gemeinde, in der jeder willkommen ist und mit all seinen Stärken und auch Schwächen angenommen wird.

Eine Gemeinde, in der ein „Wir-Gefühl“ entsteht und wir mit viel Mut und Offenheit als „Visionäre“ am Miteinander arbeiten.

 

Gott ist mit uns.

 

Leben in der wahrhaftigen Nachfolge Jesus.

 

19

Menschenfreundlichkeit

                statt rigider Regeln

Liebe und Toleranz

                statt Verurteilung und Ausgrenzung

Offenheit für alle

                statt Wagenburgmentalität

 

-          so wünsche ich mir „meine“ Kirche!

 

20

-          Wir müssen darauf hören und achten, dass Christsein in unserem Leben nicht zu Zeiten und an Orten stattfinden soll, zu denen keiner Zugang hat

-          Wir müssen auf die Bedürfnisse der Menschen eingehen um sie zu erreichen (Seelsorge, Orte und Zeiten zum Aufatmen und Gemeinschaftserfahrung als Christen sorgfältig wählen)

-          Christsein fängt im Alltag an

-          Ich möchte weiter versuchen die Begeisterung für Jesu durch Gottesdienste zu transportieren

 

21

Die Kirche,

der Glaube

ist ein Teil von mir.

Ich arbeite immer daran

Und ich wünsche mir, auch die Kirche überdenkt ihre Führung. Wir leben in einer modernen Zeit, die Kirche sollte auch mitgehen

 

22

Ich hoffe, dass die Kirche für viele Menschen, besonders meine Kinder, in Zukunft wieder  Heimat ist