Mönchtum und Fastenzeit


 

 

Der Sinn bestimmter Formen des Fastens erschließt sich vielen von uns sicher oft nicht. Dieses ist in der Geschichte unserer Kirche kein neues Phänomen. Bei der Vorbereitung des Gottesdienstes zum Thema Fasten sind wir auf viele amüsante Tatsachen und Anekdoten gestoßen.

 

So galten die Mönche schon immer als Vorbild der Askese und des Fastens. Doch die wissenschaftliche Forschung belehrt uns eines Besseren.

 

Französische Mönche verspeisten bis zu 7000 Kalorien täglich und sie bemühten sich auch in der Fastenzeit nicht, die Menge an Kalorien zu reduzieren.

 

Mönche waren stetig geprägt durch die Angst zu verhungern oder zu erfrieren, die Fettschicht galt als Garant des Überlebens. Denn die Klöster des Mittelalters waren feucht und kalt, meist brannte nur in der Küche ein wärmendes Feuer.

 

Nicht ohne Grund werden Mönche in alten Darstellungen recht übergewichtig abgebildet.

 

So suchten Mönche - und auch Nonnen - immer wieder im Laufe der Geschichte nach Möglichkeiten, die strengen Regeln der Kirche zu umgehen.

 

Die Fastengebote des frühen Mittelalters waren besonders streng. Zunächst dauerte die Fastenzeit sogar 46 Tage, von Aschermittwoch bis zur Osternacht. Erst im Jahre 1091 wurden von der Synode zu Benevent die fünf Fastensonntage und der Palmsonntag ausgenommen.

 

In der Fastenzeit war der Verzehr von Fleisch und Milchprodukten (Milch, Butter, Käse) und Eiern, die als flüssiges Fleisch galten, verboten.

 

Das Fleischverbot galt jedoch nur für warmblütige vierbeinige Tiere. Fische, Krebse, Enten und Gänse wurden also ausgenommen; sie waren gemäß dem „Ersten Buch Mose" nicht am gleichen Tag wie die Vierbeiner erschaffen worden. Selbst Biber, die häufig in den klösterlichen Fischteichen lebten, wurden als „Wassertiere" behandelt und verspeist. Und so gibt es die Anekdote, dass mangels Biber die Mönche auch einmal eine Rotte Wildschweine aus den nahen Wäldern in die Fischteiche trieben, um sie anschließend als „Wassertiere" wieder heraus zu fischen und als Fastenspeise anzusehen.

 

Erst die Päpste Innozenz VIII (1484 - 1492) und Julius III (1550 - 1555) erteilten die Dispens zunächst 1491 für Butter, Milch und Käse und später auch für Eier.

 

So konnte ab 1491 der Striezel, Vorläufer des Stollens, als erlaubtes Fastengebäck mit Butter gebacken werden.

 

Bier tranken die Mönche schon immer. Kaffee und Tee waren noch nicht bekannt und so war Bier das einfachste Getränk. Doch zur Fastenzeit wurde es erheblich stärker gebraut - das „Fastenbier". Es galt als besondere Buße das Bier mit Honig zu süßen. Die Fastenregel lautete: „Flüssiges bricht Fasten nicht". Da man das starke Fastenbier nicht ohne päpstliche Erlaubnis brauen wollte, schickte man ein Fässchen davon nach Rom. Durchgeschüttelt vom Transport über die Alpen und immer wieder erwärmt durch die Sonne Italiens, erreichte das Bier den Vatikan. Es war längst sauer geworden. Der Papst probierte, schüttelte sich angewidert und erteilte die Erlaubnis. Ein solches Getränk ist eine echte Buße.

 

Schokolade zunächst als flüssiges Getränk (Kakao) und später in fester Form ist eine „Fastenspeise", die von Nonnen und Mönchen in Südamerika eingeführt wurde. Sie hatten dieses Getränk bei den Indianern kennen gelernt. Nach vielen Experimenten entstand zunächst ein schmackhaftes Getränk und nach Zugabe von Fett, dass nach dem Erkalten erstarrte, die Schokolade. Papst Pius V. (1566 - 1572) gab ausdrücklich seine Erlaubnis dazu; Schokolade durfte in der Fastenzeit verzehren werden.

 

Maultaschen, auch „Herrgottsb´scheißerle" genannt, wurden von den Mönchen des Klosters Maulbronn als Fastenspeise erfunden. Man sieht das in Nudelteig eingewickelte Fleisch ja nicht und das war schließlich das Wichtigste.

 

Laugenbrezel wurden ab dem 10. Jahrhundert bis zum 18. Jahrhundert nur zur Fastenzeit gebacken. Sie waren ein typisches Fastengebäck. Die Mönche verzehrten es selbst und verteilten die Brezel auch an Arme und Kinder.

 

Anekdoten zur Fastenzeit gäbe es noch viele zu berichten. So heißt es in einem Visitationsbericht: „Dem Abt und dem Konvent ist es fürderhin nicht mehr gestattet, ein Spanferkel in den Klosterbrunnen zu werfen und es wieder herauszuziehen und als Fisch, als Wassertier in der Fastenzeit zu essen"

 

Auch Wild und anderes Geflügel wurde zu Fisch umgewidmet. Die Mönche garten das zerkleinerte Fleisch, fügten Fett und Gewürze hinzu und formten die entstandene Fleischmasse zu Fischen und Krustentieren.

 

 


Fastenspeisen

 

STARKBIER

Liquida non frangunt ieiunium - Flüssiges bricht das Fasten nicht

Bier besteht fast ausschließlich aus den erlaubten Grundnahrungsmitteln der Fastenzeit: Wasser, Getreide, Hefe. Ein kräftig und dick eingebrautes Starkbier war ein hervorragender Energielieferant.

Paulaner, Franziskaner und Augustiner sind noch heute nach den Orden benannt, die sie brauten.

 

SCHOKOLADE

Potus iste non frangit jejunium - "Schokolade bricht das Fasten nicht"

verkündete Papst Pius V (1566-1572) als er widerwillig von der heißen Schokolade aus den Früchten des Cacahatl und des Cacahaquahuitl-Baumes kostete, die ihm die Bischöfe von Mexiko gesandt hatten.

Seines Siegeszug trat die Schokolade an, als die Klöster entdeckten, was man aus dem Fett des Schokoladenbreis, Vanille und Zucker noch so alles machen kann.

 

MAULTASCHEN

Herrgottsbescheißerle

Die katholischen Schwaben hielten sich ehrfürchtig an das Fastengebot, " da der Herrgott besonders gern aufs Schwabenländle herunterblickt und deshalb alles sieht". Sie verzichteten darauf Fleisch zu essen - bis die pfiffigen Mönche des Klosters Maulbronn auf die Idee kamen, das Fleisch in Teigtaschen zu verstecken.

 

BREZELN

Brezeln, gebacken aus Weizenmehl, Wasser, Hefe, Salz und Fett sind die Nachfahren des antiken Ringbrotes. So machten sie eine unvergleichliche Karriere vom Abendmahlsbrot zum Partygebäck. Die Klöster des Mittelalters backten vor allem in der Fastenzeit Tausende Brezeln und verteilten an Kinder und Arme.

 

LEBKUCHEN

librum - gepfefferte "Fladen"

Fränkische Patres kamen auf die genial-lukullische Idee, das in der strengen Fastenzeit zum Starkbier gereichte Librum durch Honig zu verfeinern, mit köstlichen Gewürzen abzuschmecken und den Teig auf eine Oblate zusetzen und kreierten so die Nürnberger Lebkuchen als eine der berühmtsten deutschen Fastenspeisen.

 

CHRISTSTOLLEN

Der "Striezel" als Vorläufer des Stollen, bestand nur aus Mehl, Hefe, Wasser und etwas Öl. Das "schmeckte" dem Adel nicht und so ersuchte Kurfürst Ernst von Sachsen Papst Nikolaus V. das Butterverbot für den Striezel aufzuheben. Doch erst dessen Nachfolger Papst Innozenz VIII ließ sich erweichen und schickte 1491 den "Butter-Brief", so dass aus dem faden Gebäck schließlich der Christstollen werden konnte, dessen Form.

 

FISCH???

Nach den Klosterregeln des Mittelalters war nur das Fleisch warmblütiger sowie "vierbeiniger" Tiere in der Fastenzeit verboten - der Genuss von Fischen, Krebsen, Muscheln dagegen erlaubt.

So wurden Wild und Geflügel kurzerhand umgewidmet: Man garte, entbeinte und zerkleinerte das Fleisch, verarbeitete es mit Fett und Gewürzen zu einer formbaren Masse und formte daraus Fische und Krustentiere.