von Francois Lelord
Wenn Sie nicht an Gott glauben, stellen Sie sich einmal vor, Sie würden an ihn glauben. Wenn Sie an ihn glauben, stellen Sie sich vor, Sie glaubten nicht mehr an ihn. Beobachten Sie, ob sich dadurch Ihre Sicht auf die verstreichende Zeit verändert. 
In unseren Genen ist vorbestimmt, dass jeder neue Reiz unsere Aufmerksamkeit erregt, denn für den Urzeitmenschen konnte jeder neue Reiz „Gefahr" oder auch „Nahrungsquelle" bedeuten und sein Überleben sichern.
Unser Gehirn kann sich bis heute nicht dagegen wehren, aber das Angebot an Reizen ist inflationär gewachsen. Wir sammeln heute in einem einzigen Jahr mehr Eindrücke als Goethes Zeitgenossen in einem ganzen Leben. Zudem versuchen wir auch noch nach Möglichkeit nichts auszulassen, denn jede neue Email oder SMS könnte ja eine angenehme Nachricht enthalten, die uns gute Gefühle verschafft. So wird die scheinbar gewonnene Zeit sofort wieder durch neue Reizen gefüllt.
Zeit ist nicht gleich Zeit.
Die physikalisch definiert Uhrzeit teilt unseren Tag stets im gleichen Stundentakt. Die Zeit unseres Bewusstseins bemisst sich dagegen nach dem, was wir in der Zeit erleben. So erklärt Albert Einstein: „Wenn man mit einem netten Mädchen zwei Stunden zusammen ist, hat man das Gefühl, es seien zwei Minuten. Wenn man zwei Minuten auf einem heißen Ofen sitzt, hat man das Gefühl, es seien zwei Stunden."
Wissenschaftliche Studien zeigen, dass das Räderwerk in unserem Kopf im Älterwerden schlichtweg langsamer läuft. So wurden ältere Menschen gebeten eine Zeitspanne von drei Minuten abzuschätzen. Nach drei Minuten zählten sie aber noch zwei Minuten weiter. Hätte man ihnen aber nach drei Minuten bereits signalisiert, dass die Zeit um ist, hätten sie unweigerlich das Gefühl gehabt, dass die Zeit rast.
An der langsamer tickenden Uhr in unserem Kopf können wir nichts ändern, aber unser Zeitgefühl wird auch durch unser Gedächtnis beeinflusst, durch unsere Erlebnisse und Erinnerungen. Zeitabschnitte mit vielen unterschiedlichen und klaren Erinnerungen erscheinen uns länger. Demnach kann jeder von uns die gefühlte Zeit verlängern, indem er jedes neue Jahr vielfältig gestaltet, seinen Trott durchbricht, die Umgebung wechselt, sich etwas Neues traut, auf Reisen geht, interessanten Menschen begegnet, neue Sprachen lernt oder oder oder. 
"Guten Tag", sagte der kleine Prinz.
"Guten Tag", sagte der Händler.
Er handelte mit absolut wirksamen, durststillenden
Pillen. Man schluckt jede Woche eine und spürt
überhaupt kein Bedürfnis mehr, zu trinken.
"Warum verkaufst du das?", sagte der kleine Prinz.
"Das ist eine große Zeitersparnis. Man spart
dreiundfünfzig Minuten in der Woche."
"Und was macht man mit diesen 53 Minuten?"
"Man macht damit, was man will."
"Wenn ich dreiundfünfzig Minuten übrig hätte", sagte
der kleine Prinz, „würde ich ganz gemächlich zu einem
Brunnen laufen..."
Antoine de Saint-Exupiry, Der kleine Prinz 
Ich bitte dich nicht um Wunder und Visionen, Herr, sondern um Kraft für den Alltag.
Lehre mich die Kunst der kleinen Schritte.
Mach mich sensibel in der richtigen Zeiteinteilung.
Schenke mir das richtige Fingerspitzengefühl, um herauszufinden, was erstrangig und was zweitrangig ist.
Lass mich erkennen, dass bloße Träume nicht weiterhelfen, weder über die Vergangenheit noch über die Zukunft.
Hilf mir, dass Nächste so gut wie möglich zu tun und die jetzige Stunde als die wichtigste zu erkennen.
Nimm meine Zeit in deine Hände.



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